blühende Landschaft

Im April begannen wir damit, gemeinsam mit dem„Netzwerk Blühende Landschaft“ einen Teil des Schulgeländes in Blühflächen umzuwandeln. Der Vater eines Schülers kam dankenswerterweise mit seinem Traktor mit Pflug und half uns, die gut 200 m² große Fläche umzugraben. Vor allem die vielen großen Steine machten uns zu schaffen. Nebenbei entstand ein großer Steinhaufen, der verschiedenen Tieren als Unterschlupf dienen kann. Wir entdeckten zwei Erdkröten, die die Kinder liebevoll in den Steinhaufen umsiedelten. Somit stand der Einsaat nichts mehr im Wege.

In den folgenden Wochen beobachteten wir gespannt, wie sich die Pflanzen entwickelten. Mit Bestimmungsbuch und Lupe entdeckten wir die verschiedenen Blumen, Wildkräuter und Insekten, die von Woche zu Woche vielfältiger wurden. Zu Besuch kamen Wildbienen wie rostrote Mauerbienen, Seidenbienen, Pelzbienen und Löcherbienen, die sich z.B. auf der Färberkamille, den Kornblumen und den Ringelblumen niederließen. Wir beschäftigten uns mit dem Lebenszyklus einer Wildbiene und ihrem Körperbau. Die Ackerhummel und die Wiesenhummel, Schwebfliegen, Zikaden sowie Heuschrecken konnten ebenfalls beobachtet werden.

eine Wildbiene auf der Cosmea

Im Kino sahen wir den Film „DIE WIESE – EIN PARADIES NEBENAN“, der in beeindruckenden Aufnahmen die Vielfalt und Faszination der Blumenwiese – einer prachtvollen Wunderwelt direkt vor unserer Haustür dokumentiert. Der Film eröffnet einen völlig neuen Blick auf das heimische Naturspektakel und beschäftigte uns nachhaltig.

Am Tag der offenen Tür der Freien Montessori-Schule Westerwald im Mai konnte man die Pflanzenvielfalt erahnen.  Beim Spielefest im September präsentierte sich unser blühender Lernort von seiner schönsten Seite. Im Sonnenschein summte und brummte es. Je länger man genau hinschaut, desto mehr gibt es zu entdecken. Die Schülerinnen und Schüler führten ihre Eltern und Freunde herum. Die Wiese lud zum Verweilen und Beobachten ein. Es konnten die ersten Sonnenblumenkerne probiert werden. Viele Besucher wurden auf unsere Arbeit aufmerksam und so konnten wir Menschen begeistern, in ihren Gärten Platz und Nahrung für Insekten zu schaffen.  

Nachtrag zum Mais

Wild- und Honigbienen sind Bindeglieder zwischen Tier- und Pflanzenwelt. Sie sind unverzichtbare Bestäuber unserer Wild- und Kulturpflanzen. Und sie sind bedroht. An ihnen lässt sich die Dramatik des Rückgangs von biologischer Vielfalt vor Augen führen. Auch wir haben Erfahrungen damit gemacht: Auf unserem Gemüseacker bauten wir Mais an. Bei der Ernte erlebten wir eine Überraschung: An manchen Maiskolben befanden sich nur wenig Körner. Sollte es sogar bei uns im Westerwald zu wenige Insekten geben?

Mais ist auf Windbestäubung angewiesen, aber der Pollenflug wird nicht immer durch den Wind ausgelöst. In windstillen, taureichen Nächten sammeln sich an den männlichen Blütenständen die Pollenkörner an. Die pollensammelnde Biene bewirkt mit ihren Flügelschlägen, dass viel mehr Pollen gelöst wird, als sie einzusammeln vermag. Er fällt in der morgendlichen Windstille unweit der Pflanze zu Boden. Die in der Nacht erschienene Seide der Maispflanze empfängt dabei die ersten Pollenkörner. Jedes Pollensäckchen (männliche Blüten) enthält etwa sechs Staubblätter mit je ca. 2000 Pollenkörner, also rund 12000 Pollenkörner pro Einzelblüte. Beim ersten leichten Wind am Vormittag löst sich die große Masse des reifen Pollens, um ebenfalls unweit der Pflanze nieder zu gehen. Es erfolgt eine Bestäubung der Pollen. Bei einigen unserer Maispflanzen kam es zu Störungen in diesem Prozess, denn die Kolben wurden nicht ausreichend bestäubt.

berühmte Zitate von Ackermontis zum Erntedank

„Am besten fand ich, dass wir den großen Stein ausgegraben haben.“

„Ich habe gelernt, Tomaten hochzubinden.“

„Das Mulchen und das Umgraben machten mir Spaß. Aber es ist auch anstrengend!“

„Gießen macht Spaß, die Wassertonne auffüllen… Bevor wir die Pumpe hatten, haben wir 1000 Liter Wasser aus dem Bach geholt!“

„Selbstangebautes Gemüse essen!“

„Viele haben gesagt, dass wir es nicht schaffen und dass hier nichts wächst- aber wir haben es einfach gemacht!“

„Ich bin nächstes Mal auf jeden Fall wieder dabei!“

Maiskolben

Die Maiskolben wurden geerntet. Dabei gab es eine Überraschung:

Manche Maiskolben hatten nur wenige Körner. Unsere Fachexperten von der Gemüseackerdemie erklärten uns, dass eine unregelmäßige Bestäubung erfolgt ist. Haben wir auch bei uns zu wenige Insekten?

Zum Glück sahen nicht alle Maiskolben so aus, sodass wir sie dünsteten und genießen konnten. Es gab außerdem Kartoffelspalten, Tomaten, Felchelgrünpesto und Palmkohlchips. Der Rote-Beete-Kuchen enthielt Eier von den Schulhühnern und die Kräuter für den Dip ernteten wir von der Kräuterspirale.

Gut gesättigt sangen wir einige Ernte- und Herbstlieder.

Erntedankfest

„Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder und der Herbst beginnt…“ Auch im Westerwald kommt der Herbst mit großen Schritten und auf dem Acker können wir die Früchte unserer Arbeit ernten. Am letzten Schultag vor den Ferien feierten wir ein Erntedankfest. Wir ernten, kochen, singen und reflektieren.

3. Ackerpflege-Tag

15 große und kleine fleißige Helfer rückten am 3. Ackerpflege-Tag der Sommerferien dem Beikraut zu Leibe. Die Kinder und Jugendlichen zeigten den Eltern den Acker und erklärten, was zu tun war. Dabei wurde festgestellt, dass ackern entspannt, den Blutdruck senkt, die Kommunikation und die Beweglichkeit fördert. Einiges Gemüse, wie Mangold, Kohlrabi, Fenchel, Zuckererbsen war reif und wurde teilweise direkt vor Ort probiert oder am heimischen Herd verarbeitet. Ein vorwitziges Huhn wollte sich auch an der Arbeit beteiligen. Mit vereinten Kräften wurde es eingefangen und zurück ins Gehege gebracht. Nach kurzer Zeit aber hatte es schon wieder abenteuerlustig den Zaun überwunden und wurde wieder gefangen. Wir stutzen ihm die Schwungfedern am Flügel, damit es nicht in Gefahr gerät, wenn abends der Fuchs seine Runde dreht.

Vielen herzlichen Dank für die Unterstützung und den schönen Tag!